St. Romaus Hahausen
Im Pfarrverband St. Trinitatis Neiletal

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Der Neilebote
Mitteilungsblatt des ev.-luth.
Pfarrverbandes St. Trinitatis Neiletal
St. Georg zu Lutter am Bbge.,
St. Romanus Hahausen,
St. Johannes Nauen.


 

Zur Geschichte der Sankt Romanuskirche in Hahausen
Verfasser: Wilhelm Kalthammer


Von den Anfängen bis zur Reformation

In dem kleinen Ort Hahausen am nordwestlichen Harzrand dürfte eine der ersten christlichen Kirchen im ehemaligen Lande Braunschweig errichtet worden sein. Die erste Kirche, vermutlich aus Holz, wäre nach Michael Erbe (1) aufgrund ihres Romanus-Patroziniums dafür geradezu prädestiniert. Erbe hält es auch für wahrscheinlich, dass die Kirche zu Hahausen älter als die Vituskirche in Seesen ist, deren Gründung nach unterschiedlichen Interpretationen in der ersten oder zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts angenommen wird. Die erste Hahäuser Kirche wurde inzwischen am gleichen Platz durch ein zweite oder dritte, die 1794 erbaut wurde, ersetzt. 

In Hahausen, das an der "Heerstraße" (2) lag, befand sich aller Wahrscheinlichkeit nach ein fränkischer Stützpunkt (3), der bereits im 8. Jahrhundert errichtet wurde. Dieser Stützpunkt ist im Gebiet des heutigen Illersschen  Hofes zu suchen, der als der älteste Hof in Hahausen gilt und unmittelbar an das Areal der Kirche angrenzt.

Das älteste bekannte Archidiakonatsverzeichnis aus dem Ambergau, zu dem Hahausen gehört, stammt zwar erst aus dem 16. Jahrhundert, doch war die Einteilung der Diözese Hildesheim schon im 11. Jahrhundert dieselbe. Daß das Verzeichnis nach einem weit älteren aufgestellt ist, dafür werden in der Literatur (4) Beweise aufgeführt. In dem Verzeichnis wird  unter dem Bann Seesen (De banno Sehusen) auch Hahausen (Hahusen) erwähnt und zwar mit 1/2 Ferto Prokuration gemeinsam mit Bornhausen. Patrone der beiden Kirchen zu Bornhausen und Hahausen waren "Die von Steinbarge" in Bornhausen.

Während der Ort Hahausen im Jahre 1021 erstmals in einer Kaiserurkunde (5) genannt wird, erscheint die Kirche zum ersten Male in einem Schreiben des Papstes Innozenz III. vom 6. Juni 1209 (6). Nach dieser Urkunde gehörte dem Kloster Ringelheim das ganze Dorf Hahausen (Hagehusen) "cum ecclesia", also mit der Kirche, mit Ausnahme einer Hufe.

Um diese Zeit kann wohl schon von der aus Steinen erbauten Kirche oder Kapelle, die 1794 abgerissen wurde, gesprochen werden. Allein die Tatsache, dass sich Bischof Konrad II. von Hildesheim am 3. Dezember 1238 in Hahausen aufhielt, wo ein Vertrag geschlossen wurde
(7) und wo er ein großes Gefolge geistlicher und weltlicher Herren um sich versammelte, setzt nicht nur das Vorhandensein eines großen Hofes, sondern auch das einer einigermaßen repräsentativen Kirche voraus.

In dieser Zeit, der ausgehenden Romanik, dürfte auch die Holzplastik des Namenspatrons der Kirche, des heiligen Romanus, von einem unbekannten Meister geschaffen worden sein (Abb.1).

Wie sah nun diese (zweite?) Kirche, von der keine Abbildung überliefert ist, aus?

Das Corpus bonorum der Pfarrgemeinde Lutter am Barenberge (mit Hahausen) aus der Mitte des 18. Jahrhunderts berichtet:

" Über Origo und Fundation der Kirche zu Hahausen ist wegen Ermangelung der Urkunden nichts gewiss zu melden, außer dass sich aus den Umständen mutmaßen lasset, dass es zur Zeit des Papstthums, eine Kapelle gewesen, so in die Ehre des heiligen Romani gestiftet, welchem vor vielen Jahren nach der Reformation, so wohl von Paptisten als Lutheranern Opfer gebracht, welches auch bis dato Zuweilen, jedoch Sine Superstitione und Zu Erhaltung der Kirche geschieht" (8).

Weiter heißt es, dass das Gebäude bis unter das Dach gemauert und mit Schiefern gedeckt ist, die aber nicht auf Wielen, sondern auf "weitläufige" Balken genagelt sind. "Hat gegen Abend einen kleinen Thurm. so mit seiner Verbindung auf das Dach gesetzet". Die Kirche war "unter dem Thurm 32 Fuß und hinter dem Altare 24 Fuß breit und überhaupt 45 Fuß lang" (9).

Die geistliche Betreuung der Pfarre Hahausen erfolgte wohl ursprünglich durch Mönche des Klosters Ringelheim, um 1500 soll Hahausen auch kirchlich mit Bornhausen verbunden gewesen sein (10). Damit wäre auch zu erklären, warum Pfarrer aus der katholischen Zeit in Hahausen bisher namentlich nicht nachgewiesen werden konnten. 1523, nach dem Ende der Hildesheimer Stiftsfehde, kam Hahausen mitsamt seiner Kirche aus dem Besitz des Klosters Ringelheim in den des Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel.

1542 bei der Einführung der Reformation im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel durch den Schmalkaldischen Bund, heiß es: " Urtzhusen (Ortshausen) und Hahusen: Ist filia Zu Jerst (Jerze) ....." (11). Die gleiche Nachricht liegt aus dem Jahre 1544 vor.

Wenn Brakebusch (12) bemerkt, dass 1548, als der verjagte Herzog Heinrich der Jüngere, der nach der Schlacht bei Mühlberg zurückkehrte, die Zügel der Regierung wieder ergriff und den Katholizismus erneut einführte, wie es heißt "unter dem anhaltenden päpstlichen Wesen", Heinrich Ufften in Jerze (und Hahausen, d. Verf.) als erster lutherischer Pfarrer angestellt worden ist, so muß die Aussage stark angezweifelt werden, denn seit Juli 1547, der Rückkehr Herzog Heinrichs in sein Land, erfolgte eine rücksichtslose Rekatholisierung, und alle Geistlichen wurden zwecks Ablegung eines katholischen Examens nach Wolfenbüttel bestellt. Ein evangelischer Geistlicher in Jerze und Hahausen im Jahre 1548 ist also undenkbar.

Im ältesten Erbregister des Amtes Lutter am Barenberge, das seit der Stiftsfehde braunschweigisch war und zu dem Hahausen jetzt gehörte, vom Jahre 1548, heißt es: "Die Kirche gehört denen vom Steinberge" (13). 1568 ist vermerkt: "Die Kirche zu Hahausen hat keine Lenderey und gar keine Einkunft. Allein es hat ein Mann von Nauwen Harmen Illers genannt 10 R (Reichstaler?) darin gegeben (14).

Seit 1568, dem Jahr der Wiedereinführung der Reformation im Lande Braunschweig, war Hahausen Filial von Lutter, wohin es 1571 auch eingepfarrt wurde, da die Kirche wüst war.

Vorbemerkung: Die meisten Archivsignaturen beziehen sich auf das Niedersächsische Staatsarchiv Wolfenbüttel (StAW) bzw. das Landeskirchliche Archiv in Braunschweig (LKAB).

(1) Vgl. ERBE, Michael, Studien zur Entwicklung des Niederkirchenwesens in Ostsachsen vom 8. bis zum 12. Jahrhundert, Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 26, Studien zur Germania Sacra 9, Göttingen 1969, S. 33ff.

(2) Vgl. KALTHAMMER, Wilhelm, Die Chronik von Hahausen, Hahausen 1983, insbesondere S. 17 und 169.

(3) Vgl. KLEINAU, Hermann, Überblick über die Gebietsentwicklung des Landes Braunschweig, Braunschweigisches Jahrbuch, Band 53, Braunschweig 1972, S. 30. Es heißt dort, Hahausen "könnte einst fränkischer Stützpunkt gewesen sein", während für neuere Autoren diese Vermutung bereits Tatsache geworden ist. So berichten PILGER, A. / RÖSLER, A., Nordwestlicher Harz und Vorland, Clausthal-Zellerfeld 1984, S. 86, von "Hahausen. wo es einen fränkischen Könighof mit Kirche gab", während STOLTE, Ernst, Langelsheim, Clausthal-Zellerfeld 1982, S. 49, von den "fränkischen Gründungen Hahausen Sudburg spricht.

(4) Vgl. LÜNTZEL, Die ältere Diözese Hildesheim, Hildesheim 1837, S. 432f; GÜNTHER, Friedrich, Der Ambergau, Hannover 1887, S. 7; MACHENS, Joseph, Die Archidiakonate des Bistums Hildesheim im Mittelalter, Beiträge für die Geschichte Niedersachsens und Westfalens, Ergänzungsheft zum Band 8. Band 1920; KLEINAU, Hermann, Ein neuer Text des Archidiakonats-Verzeichnisses des Bistums Hildesheim, Braunschweigisches Jahrbuch 39, Braunschweig 1958, S. 84 - 102.

(5) Vgl. JANICKE und HOOGEWEG, Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe, Band I, Leipzig / Hannover 1896, Nr. 66; MGH Heinrich II. 447

(6) Vgl. Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim, Band I., Nr. 630; KLEINAU, Hermann, Geschichtliches Ortsverzeichnis des Landes Braunschweig, Hildesheim 1967, I S. 237

(7) Vgl. BODE, Georg, Urkundenbuch der Stadt Goslar und der in und bei Goslar gelegenen geistlichen Stiftungen, Band I, Halle/Berlin, 1893, Nr. 565; CORDES, Gerhard, Ein Neuwerker Kopialbuch aus den Anfang des 15. Jahrhunderts, Goslar 1968, Cop A 23; Urkundenbuch Hochstift Hildesheim, Band II., Nr. 517.

(8) LKAB, ohne Signatur, S. 67 (105) f.

(9) Was unter Zugrundelegung des braunschweigischen Fußes (Längenmaß 1 Rute a` 16 Fuß = 4,566 m) 9,13 m, 6,85 m und 12,85 m ausmacht; LKAB: Hahausen Nr. 3; Die Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogtums Braunschweig 5, bearb. v. K. STEINACKER, Wolfenbüttel 1910.

(10) VGL Günther, (wie Anm. 4), S. 476. 

(11) LKAB: V 447.

(12) Vgl. BRAKEBUSCH, Herbert (ehemals Pastor zu St. Petri in Braunschweig), Geschichte und Stammtafel des ambergauschen Geschlechtes Brakebusch, Braunschweig o. J. (1906), S. 53 - 55.

(13) StAW: 19 Alt 134.

(14) StAW: 19 Alt 135.

 Die alte Kirche, ihre Schicksale und ihr Zustand

Bereits seit 1345 war Hahausen Grenzort zwischen den welfischen Fürstentümern Braunschweig und Göttingen (15). Wie aus einer Grenzbeschreibung von 1578 (16) zu ersehen ist, lief die Grenze zwischen den braunschweigischen Ämtern Seesen und Lutter mitten "dorch die Hahusische Kirche". Es ist anzunehmen, daß diese einzigartige  Grenzziehung auf die Zeit vor der Hildesheimer Stiftsfehde zurückgeht, als Seesen braunschweigisch und Lutter hildesheimisch war. Hahausen war zu dieser Zeit ein geteiltes Dorf.

Da den Hahäusern der weite Weg zur Kirche in Lutter anscheinend nicht besonders zugesagt hat, haben sie um 1600 ihre Kirche, wenn auch nur notdürftig, wieder instandgesetzt. Damit war es jedoch im Dreißigjährigen Krieg wieder vorbei; Plünderungen und die Zerstörungswut der Soldateska machten auch nicht vor Gotteshäusern halt, die Bewohner des Dorfes wurden durch die Schlacht bei Lutter am Barenberge (1626) in alle Himmelsrichtungen zerstreut, und als etliche davon wieder zurückkehrten, waren sie zu arm, wie ein zeitgenössischer Bericht sagt, um ihre Kirche zu reparieren. Es konnte daher bei schlechten Wetter oft kein Gottesdienst gehalten werden.

Nach dem Ende des Krieges folgten ärmliche Zeiten, doch scheint sich die Gemeinde im Jahre 1684 zur Zeit der Regierung des tatkräftigen Herzogs Rudolf August von den Schrecken des Krieges erholt zu haben, denn in diesem Jahre ließ man in der Reichsstadt Goslar einen 20,5 cm hohen silbernen, innen vergoldeten Abendmahlskelch mit rundem Fuß anfertigen. Der jetzt noch vorhandene Kelch trägt folgende Inschrift: "Hermannus Fridericus Rath P.L.H. (Pastor zu Lutter und Hahausen) hat diesen Kelch von christlichen Hertzen erbethen". Der Kelch zeigt das Goslarer Beschauzeichen, einen Adler, und  undeutlich J.H. (17).

Bemerkenswert ist, das sich die Kirche neben einer Glocke "a` 4 Center", einen "unrichtigen" Uhrwerk sowie unterschiedlichem Inventar "1 weiß angemahlter und etwas vergüldeter Tauf-Engel, an einer eisern zusammen gefügten Stange, welche über den Boden vermittelst einer Wippe auf und nieder gestoßen werden kann, welchen des Seel. Herrn Ober Förster Bartttlingck Witwe der Kirche verehret .....", befand (18).

Da der bauliche Zustand der Kirche immer trostloser wurde, wandte sich die Gemeinde am 22. April 1739 an das Konsistorium in Wolfenbüttel mit der Bitte um Abhilfe (19).

Es wurde ein Kostenvoranschlag für die Reparatur der Kirche eingeholt, aus dem wir Maße, die erheblich von den Corpus bonorum angegebenen abweichen, ersehen können. Die Kirche war demnach "über alles lang 62 Fuß" und 30 Fuß breit (20).

1744 wurde ein "Anschlag über die zu Hahausen neu zu erbauende Kirche" angefertigt. Man beabsichtigte zunächst, die Kirche ganz aus Holz, das die Kommunionforst liefern sollte, zu erbauen, kam aber nicht zum Zuge.

Auch nach dem Corpus bonorum war die Kirche um die Mitte des 18. Jahrhunderts sehr baufällig. So war "das Mauerwerk allenthalben auseinander gerißen und zum Theil gesunken, so daß einen baldigen Einfall drohet".

Aus der Dorfbeschreibung von 1756 erfahren wir: "Patron der Kirche ist der Herzog". Die Kirche hatte jedoch an "Jura und Gerechtigkeiten, Länderey, Wiesen, Garten, Holtzung: Nichts" (21).

(15) Vgl. Kleinau (wie Anm. 3).

(16) StAW: 19 Alt 176.

(17) Vgl. NN (Pastor Wilhelm GAGELMANN), Heimatbuch der Pfarrgemeinde Lutter a. Bbge., Lutter am Barenberge 1926, S. 33.

(18) LKAB (wie Anm. 8). Einen solchen Taufengel gibt es heute in der St. Nikolaikirche zu Altenau im Oberharz, der er nachweislich 1730 geschenkt wurde. Weitere "schwebende" Taufengel befinden sich in süddeutschen katholischen Kirchen. Vgl auch JGNKG 73, 1975, 76 f.

(19) StAW: 8 Alt Lu 357.

(20) Das entspricht einer Länge von 17,70 m und einer Breite von 8,65 m.

(21) StAW: 20 Alt 163.

Der Bau der neuen Kirche
Da die Kirche immer baufälliger wurde und die Kostenvoranschläge für die Reparatur oder den Neubau derselben nicht verwirklicht werden konnten, wurden sowohl die Hahäuser Einwohner als ihr Pastor und auch das Amt Lutter in dieser Angelegenheit wieder aktiv.

In einer wunderbaren gestochenen Schrift, für die Johann Friedrich Ernst, der 1772 bis 1804 Opfermann und Schullehrer in Hahausen war, verantwortlich zeichnet, wurde am 16. Januar 1783 ein Schreiben an das Konsistorium verfaßt, in dem "die Gemeinde Hahausen unterthänigst um Erbauung einer neuen Kirche" nachsucht. Es heißt, daß die Kirche "in einen solchen schlechten Baufälligen Verfall gekommen ist, dass wir fast ohnmöglich länger unseren Gottes-Dienst, noch mit Versicherung unseres Lebens darinnen verrichten können. Denn der ganze Boden und die Balken sind durch die immerwährende Nässe, dermassen angefaulet, dass schon ganze große Stücke von den Boden und Balken herunter gefallen, und etliche Ständte dadurch entzwey geschlagen worden sind, so dass sie auch täglich droht, zusammenzufallen. Wie dieses der Ofermann mit nicht geringen Schmerzen, vergangenen Herbst erfahren, als er im Durchgehen von einem Stück des Bodens dergestalt getroffen worden, dass er 14 Tage seinen Kopf hat müssen verbinden lassen. Das Dach ist zwar noch immer in der Reparatur erhalten, und die Kosten davor ausgegeben, allein, durch die Fäulung des Holzes will kein Nagel mehr halten, sondern regnet ein wie allemal der Massen durch und durch, dass man sich fast nicht ohne die Schuhe vollzufüllen hineinwagen darf" (22)

Nach dieser Schilderung des Zustands der Kirche wird dann noch einmal "unser dehmüthigstes flehentliches Bitten" vorgebracht "in der zuversichtlichen Hoffnung gnädigster Erhöhung und Devotion". 

Doch nicht nur diese eine Anmahnung und Bitte wegen Baues einer neuen Kirche erfolgte, sondern noch viele weitere, nicht nur von den  Hahäusen Kirchen- und Gemeindeoberhäuptern, sondern auch von Pastor Baumgart, u. a. mit Schreiben vom 13. Juli 1784 an das Konsistorium. Es heißt in Bezug auf die Kirche, "dass die Leute ohne Gefahr des Lebens nicht darin sitzen können". 

Pastor Grotrian, der seit 1786 der Nachfolger des Pastors Baumgart(en) in Lutter und Hahausen war, schrieb 1787 an das Konsistorium über die Hahäuser Kirche: "Jede Predigt, die ich dort halte, kostet meiner Gesundheit ....., wenn Schneewetter ist, werde ich mit einem Theil meiner Zuhörer in der Kirche beschneit. Auf dem Altare liegt Schnee" (23)

Das herzogliche Konsistorium konnte sich jetzt den seit fast einem halben Jahrhundert vorgetragenen Bitten nicht mehr verschließen. Doch zunächst ging es um die Finanzierung des Neubaus. Nach vielem Hin und Her sollte das Fürstliche Leihhaus in Braunschweig das Kapital vorschießen. 

Am 12. September 1793 wurde der Hofbaumeister Langwagen "commitirt", mit dem Fürstl. Amte und Pastor Grotrian wegen des Baues einer neuen Kirche Rücksprache zu nehmen. Der Kostenvoranschlag von Langwagen belief sich auf 1656 Taler, 77 Mariengroschen und 4 Pfennig.  

Unter dem 29. November 1793 bestätigte Herzog Carl Wilhelm Ferdinand, daß ihm von dem geplanten Neubau und der Herbeischaffung der in Vorschlag gebrachten Kosten berichtet worden sei. 

 Er genehmigte die forstzinsfreie Lieferung des dazu nötigen Eichen- und Tannenholzes exccusive der Dielen und der Bauausführung "in der zuverlässigen Voraussetzung, daß dieser Bau mit den veranlagten 1750 Rthlr. völlig zu bestreyten seyn und unter der ausdrücklichen Erklärung, daß irgendeine Nachverwilligung durchaus nicht stattfinde, daß die Kirche in Lutter am Barenberge, die jährlich gegen 16 Rthlr. betragende currente Abgabe der Kirche zu Hahausen, bis zum Abtrag der von letzterer anjetzt zu contrahirenden Schulden übernehme, und wollen wir zu dem Ende, beide Kirchen, auch die Zeit, welche dieses Arrangement dauern wird, von der Einsendung der Überschuß-Gelder zu dem Schulkosten-Fond hierdurch dispensieren" (24)

Es folgt dann eine Anweisung, wie die Finanzierung durchgeführt werden soll. 440 Taler hatte die Hahäuser Kirchengemeinde aufzubringen, der Rest sei "von einigen vermögenden Kirchen ohnverzinslich anzuleihen". Auch wird die Fürstl. Leihhaus-Casse eingeschaltet. 

Zunächst mußten zur Finanzierung des Bauvorhabens von nahezu allen braunschweigischen Kirchen Kredite aufgenommen werden, deren restlose Tilgung sich bis ins 20. Jahrhundert (!) hinzog. Dann erfolgte der Abbruch der alten Kirche, der im zeitigen Frühjahr 1794 begonnen und wohl schon Mitte April beendet war, wie aus der Abrechnung des Amtes Lutter zu ersehen ist. Bei dem Abbruch sind viele der alten Einrichtungs- und Wertgegenstände verloren gegangen, doch konnten andere, wie z. B. die Glocke, wiederverwendet werden. 

Maurer-, Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten waren bis zum Herbst 1794 ausgeführt, während Ende März 1795 auch die Innenarbeiten beendet waren, so dass das Amt Lutter bereits am 28. März 1795 die Endabrechnung vornehmen konnte, die bei Einnahmen und Ausgaben 1766 Teichstalern, 18 Mariengroschen abschloss (25).

Nun war endlich die neue Kirche fertig, die sich folgendermaßen darstellte: Es handelt sich dabei "um einen rechteckigen, flach gedeckten Saal mit großen rundbogigen Fenstern in den massiven Außenwänden. Empore im Westen und anschließend an den Längsseiten" (26). Auf dem Dach befindet sich ein kleiner Turm, ein sogenannter Dachreiter (Abb. 2). Die Maße werden mit einer Breite von 40 Fuß und einer Länge von 60 Fuß angegeben (27)

An der Stirnseite des Neubaus, über dem Eingangsportal hinter dem Altar, wurde eine Gedenktafel mit folgender im Geist und Stil der Aufklärung gehaltener Inschrift angebracht:

Hier hatte vormals der Romanu
die Einfalt Weihrauch hingestreuet
ein neuer Tempel wird von uns der Ehre Gottes geweihet
zur Gottesfurcht zur Uebung der Tugendpflicht
entziehe Herr der Welt uns deinen Segen nicht. 1794

(22) StAW: 8 Alt Lu 243, Band III.

(23) LKAB: Hahausen Nr. 21.

(24) LKAB: Hahausen Nr. 21.

(25) LKAB: Hahausen Nr. 21

(26) Vgl. Bau und Kunstdenkmäler, S..368 (wie Anm.  9).

(27) LKAB: Hahausen Nr. 3

Das 19. Jahrhundert
Bereits 1798 stellte man fest, daß Mängel durch beim Bau gemachte Fehler am Kirchengebäude auftraten. 1805 wurde eine Reparatur der Turmuhr erforderlich. 

Erst im Jahr 1807 erhielt die Kirche eine Orgel und zwar, wie aus einem Nachtrag im Corpus bomorum zu ersehen ist, als Geschenk des "Cammer-Agenten Israel Jacobson zu Braunschweig", des Gründers der Jacobsonschule in Seesen, die ursprünglich als Erziehungsanstalt für jüdische Knaben gedacht war. Wir erfahren aus einem Schreiben des Pastors Warnecke vom 18.11.1807 an das Konsistorium, dass es sich bei dem Geschenk "um ein Orgelwerk" handelte, "welches sich bisher in dessen (Jacobsons, d. Verf.) Institut zu Seesen befand" (28).

Die Kirche hatte nun zwar eine Orgel, doch verursachte der schlechte bauliche Zustand des Gotteshauses der Gemeinde viel Kopfzerbrechen. Bereits 1827 wurde vom Konsistorium eine Reparatur am Dach der Kirche und am Kirchturm genehmigt, 1834 musste die Kirchenuhr und 1845 der  Kirchturm repariert werden.

Doch scheint das alles nur Stückwerk gewesen zu sein, da bereits 1848 ein "Kostenvoranschlag über die nöthigen Reparaturen an der Kirche zu Hahausen" (29) eingeholt wurde. Er belief sich auf 251 Taler, 5 Groschen und 9 Pfennig. Doch auch Tischlerarbeiten, in Höhe von mehr als 100 Talern sowie Schlosserarbeiten waren erforderlich.

Am 17. 11. 1848 sah sich daher die Gemeinde gezwungen, in einem Schreiben an das Konsistorium um ein Darlehn von 400 Talern für die Kirche zu bitten. 

Es dauerte dann aber immer noch fast 2 Jahre, bis am 11. März 1850, nachdem auch die Kirchenvisitatoren über erforderlich gewordene Reparaturen, besonders am Glockenboden, berichtet hatten, ein Protokoll betreffs der Kirchenreparatur unterzeichnet werden konnte.

Während der gründlichen Überholung der Kirche, die sich bis 1851 hinzog, wurde auch die Orgel von dem Orgelbauer Bentroth in Seesen, der einen Kostenvoranschlag in Höhe von 428 Reichstalern eingereicht hatte, ausgebessert.

Seit dem 26. Oktober 1851 war die Orgel und wohl auch die Kirche "wieder in Gebrauch". Der Kantor Walter schrieb daher am 14. Dezember 1851: "..... erlaube ich mir zu bemerken, daß diese Orgel Kraft und Fülle hat und das beste Werk vielleicht sein mag, was der Orgelbauer Bentroth bis jetzt gebaut hat" (30).

(28) LKAB: Hahausen Nr. 23, Vol. II.

(29) StAW: 129 Neu 73, Nr. 133.

(30) LKAB: Hahausen Nr. 3.

Das 20. Jahrhundert

Der Kantor Spannof berichtete am 7. Mai 1906:
"Am Abend des 27. April 1906 10. Uhr 32 Minuten traf bei einem heftigen Gewitter mit starkem Regenfall  verbunden von Osten heranziehend, ein sogenannter kalter Schlag die hiesige Kirche und richtete größte Verwüstungen an. Er schlug in die Spitze des Dachreiters und wurde an einem metallenen Uhrseile herabgeleitet, deren Bretterwand er zersprengte und fortschleuderte. Er brachte den Hebel des Betglockenwerkes in Bewegung, so daß die Betglocke zu ungewöhnlichen Stunde ertönte. Von hieraus muß sich dann der Blitz in mehrere Strahlen geteilt haben, die an vielen Stellen der Kirche Verwüstungen anrichteten. So wurde die Bretterverschalung der Kirchendecke der ganzen Länge nach  etwa 1/2 Meter zersplittert, fast die gesamte Deckenverputzung  heruntergeworfen. Das östliche Kirchendach und die östliche Kirchenmauer arg beschädigt. Durch den äußerst starken Luftdruck wurden sämtliche Fensterscheiben der Kirche zum Teil mit dem Holzwerk herausgeschleudert. Ebenso erlitt der eine Aufgang zu den Emporen starke Beschädigungen. Ein Blitzstrahl von der Uhrkammer herspringend, traf die Kirchenorgel und zerstörte dieselbe fast vollständig. Ein anderer Blitzstrahl wurde an der Dachrinne, diese stellenweise zerschmelzend, zu Boden geleitet und riss noch über einen Meter  tiefe Löcher im Erdboden" (31).

Die nach diesem Unglücksfall erforderlich gewordenen Reparaturen beliefen sich auf 9.756 M 40 Pfennig. Die Brandversicherung zahlte 4.972 M 6 Pfennig, 1000 Mark wurden vom herzoglichen Staatsministerium zugeschossen, den Rest mußte die Gemeinde aufbringen.

Im Zuge der Reparaturarbeiten wurde auch eine Heizung in die Kirche eingebaut, ein Blitzableiter angebracht und der Turm erhielt eine neue Wetterfahne mit der Jahreszahl 1906.

Da die Orgel durch den Blitzeinschlag völlig unbrauchbar geworden war, mußte man sich wohl oder übel nach einer neuen umsehen. Den Auftrag zur Lieferung einer neuen Orgel erhielt, nachdem mehrere Kostenangebote eingeholt waren, die Firma Faber & Greve, Orgelbaugesellschaft mbH zu Salzhemmendorf. Der Preis betrug 3.500,- Mark (32).

Im Kirchturm wurde bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg die 73 cm hohe und 28 cm breite romanische Eichenholzfigur des Namenspatrons, des heiligen Romanus, aufbewahrt (siehe Abb. 1). Romanus lebte in Rom als Soldat und war dabei, als der Diakon Laurentius den Märtyrertod fand - auf einem Rost gebraten. Er wurde von dem mutigen Sterben des Laurentius so beeindruckt, daß er sich zum Christentum bekehrte und schon bald wegen seines Bekennermutes enthauptet wurde. Das soll im Jahre 258 gewesen sein. Das Fest Romanus wird am 9. August gefeiert. (33).

Die Holzplastik des Romanus in der Kirche zu Hahausen wurde von einem unbekannten Künstler etwa um die Mitte des 13. Jahrhunderts geschaffen. Er stellte den Heiligen als das dar, was er war, als Krieger oder als Soldaten, zwar nicht als römischen, sondern in der zeitgenössischen Tracht der ausgehenden Romanik, mit einem weiten, geschürzten und daher nicht ganz auf die Knie reichenden Gewand, darüber einen nach rückwärts geschlagenen Mantel, in der Linken das Schwert haltend und mit bärtigem und barhäuptigen Kopfe.

Um 1900 wies die Figur nur noch spärliche Farbreste auf, auch fehlten ihr bereits die Füßße. Es wurde jetzt höchste Zeit, dass sie ins vaterländische Museum in Braunschweig gebracht wurde, denn die Dorfjugend vergnügte sich recht respektlos mit der uralten Plastik, genau so wie mit den zahlreichen Waffen aus der Schacht bei Lutter am Barenberge, die gemeinsam mit der Heiligenfigur im Kirchturm aufbewahrt wurden.

Unbeschädigt im Ersten und Zweiten Weltkrieg und den turbulenten Nachkriegsjahren, verbrachte "üse Romanus" nahezu sechs Jahrzehnte  im Museum in Braunschweig bis zum 19. Oktober 1970, als es einem Einbrecher gelang, die Figur zu entwenden. Doch noch im gleichen Monat konnte das damals auf 35.000 DM geschätzte Kunstwerk bei einem 18 Jahre alten Arbeiter sichergestellt werden, der es bereits mit anderem Diebesgut verpackt und mit der Adresse eines Antiquitätenhändlers versehen hatte.

Wer nun angenommen hätte, dass das Braunschweigische Landesmuseum für Geschichte und Volkstum, wie das frühere Vaterländische Museum jetzt genannt wird, durch den Schaden klug geworden wäre, der hatte sich geirrt. Anscheinend wurden wiederum nur ungenügende Sicherheitsmaßnahmen getroffen, denn wie wäre es sonst möglich gewesen, dass "der Romanus" mit zwei anderen Heiligenfiguren 1973 erneut aus dem Museum entwendet werden konnte. Die Figur konnte bisher nicht wieder ermittelt werden.

1910 befanden sich in der Kirche, außer dem bereits erwähnten Kelch und dem Taufbecken, noch zwei Zinnleuchter in Säulenform. 21,5 cm hoch, Stempel mit Flügelfigur und Zeichen J. G. K.. sowie zwei Henkelvasen aus Zinn, 25,5 cm hoch.

In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wurden in der Kirche nach 377 Jahren auch wieder katholische Gottesdienste abgehalten.

1951 wurde die seit 1568 bestehende Zugehörigkeit der Hahäuser Kirche zu Pfarrgemeinde Lutter gelöst, und seither bilden die beiden Dörfer Hahausen und Nauen eine eigene Pfarrgemeinde. Das Pfarramt und der Pfarrer haben ihren Sitz in Hahausen. 1954 und 1957 wurde das Gotteshaus wiederum ausgebessert. Der Maler gab dem Inneren der Kirche das helle, freundliche Aussehen, das wir heute bewundern dürfen. Die Orgel erhielt ein elektrisches Gebläse.

(31) LKAB: Hahausen Nr. 3.

(32) LKAB: Hahausen Nr. 3.

(33) Nach einer alten Überlieferung wurde Romanus in den römischen Katakomben beigesetzt. In der Pfarrkirche des Sundgauortes Reiningen im Elsass befindet sich jedoch ein Schrein, der im frühen 12. Jahrhundert angefertigt wurde, um die Gebeine des heiligen Romanus in kostbarer Hülle aufzubewahren. An den Schmalseiten sind in Silberreliefs Leben und Leiden der Märtyrer Romanus und Laurentius dargestellt. Vgl. KRUMMER-SCHROTH, Ingeborg, Oberrheinisches Mosaik, Freiburg im Breisgau 1974, S.. 97 mit Abb.


Verfasser:  Wilhelm Kalthammer